
Wirkungsweise
Milbeknock ist ein Akarizid zur Anwendung im Kernobst, im Hopfen und in Erdbeeren sowie ein Akarizid und Insektizid zur Anwendung an Zierpflanzen im Gewächshaus. Milbeknock wirkt auf alle Entwicklungsstadien der Spinnmilben. Die Hauptwirkung erstreckt sich auf die mobilen Stadien. Eine besonders hohe Sensitivität besteht gegen jüngere Larvenstadien. Bei Minierfliegen (Liriomyza huidobrensis, L. trifolii und L. bryoniae) werden die Larven bekämpft.
Der Wirkstoff Milbemectin greift in die Reizleitung des Nervensystems von Spinnmilben und Insekten ein, unterbricht die Reizweiterleitung und führt somit zu einer sofortigen Lähmung und nachfolgendem Absterben der Schadtiere. Milbemectin wird durch direkten Kontakt und durch Fraß bzw. beim Saugen aufgenommen.
Milbemectin ist nicht systemisch, wird aber in die behandelten Pflanzenteile aufgenommen und translaminar verlagert. Dadurch wird der Wirkstoff vor frühzeitigem Abbau geschützt und eine anhaltende Dauerwirkung erreicht. Dies gilt insbesondere für junge Blätter, bei älteren Blättern ist dieser Effekt durch die weiterentwickelte Kutikula und ausgeprägte Wachsschichten eingeschränkt.
Auf der Pflanzenoberfläche wird Milbemectin in kurzer Zeit abgebaut, was die Einsatzmöglichkeiten des Produkts im Zierpflanzenbau in Kombination mit Nützlingen erleichtert.
„Von der Zulassungsbehörde festgesetzte Anwendungsgebiete:
•Spinnmilben im Kernobst;
•Spinnmilben im Hopfen;
•Spinnmilben in Erdbeeren;
•Spinnmilben an Zierpflanzen im Gewächshaus;
•Minierfliegen an Zierpflanzen im Gewächshaus."
Anwendungstechnik und Aufwandmengen
Spritztechnik und Wassermenge sollten in jedem Fall eine gründliche Benetzung aller zu behandelnden Pflanzenteile gewährleisten!
Kernobst
Gegen Spinnmilben im Kernobst nach der Blüte oder bei Neubefall mit 0,625 l/ha und je 1 m Kronenhöhe in 500 l Wasser und je 1 m Kronenhöhe spritzen.
Maximal 2 Behandlungen im Abstand von 60 Tagen in dieser Anwendung bzw. in der Kultur / je Jahr.
Stadium der Kultur: ab Ende der Blüte (alle Blütenblätter sind abgefallen) bis etwa 60 % der sortentypischen Fruchtgröße erreicht ist.
Zur Beachtung:
Milbeknock ist im Kernobst nicht zum Feinsprühen geeignet.
Hopfen
Gegen Spinnmilben im Hopfen nach Befallsbeginn oder ab Warndienstaufruf mit 1,5 l/ha in maximal 3.300 l Wasser /ha spritzen oder sprühen.
Maximal 2 Behandlungen im Abstand von 21 Tagen in dieser Anwendung bzw. in der Kultur / je Jahr.
Stadium der Kultur: BBCH 65 (Vollblüte: etwa 50% der Blüten geöffnet) bis BBCH 85 (50% der „Dolden" geschlossen).
Erdbeeren
Gegen Spinnmilben in Erdbeeren bis Ballonstadium - Mehrzahl der Blüten im Ballonstadium - nach Erreichen von Schwellenwerten oder nach Warndienstaufruf mit 1,25 l/ha in 2.000 l Wasser /ha spritzen.
Maximal 1 Behandlung in dieser Anwendung bzw. 2 für die Kultur bzw. je Jahr im Abstand von 60 Tagen.
Gegen Spinnmilben in Erdbeeren ab Beginn der Bildung von Seitentrieben, nach Erreichen von Schwellenwerten oder nach Warndienstaufruf mit 1,25l/ha in 2.000 l Wasser /ha spritzen.
Maximal 1 Behandlung in dieser Anwendung bzw. 2 für die Kultur bzw. je Jahr im Abstand von 60 Tagen.
VA214 - Keine Anwendung bei sichtbarem Fruchtansatz.
Zierpflanzen
Gegen Spinnmilben an Zierpflanzen im Gewächshaus bei Befall oder Neubefall im Abstand von 7 Tagen spritzen.
Anwendungskonzentration 0,05%, je nach Pflanzengröße:
bis 50 cm:0,5l/ha in 1.000 l Wasser/ha,
50 bis 125 cm:0,75l/ha in 1.500 l Wasser/ha,
über 125 cm:1,0l/ha in 2.000 l Wasser/ha.
Maximal 4 Behandlungen in dieser Anwendung bzw. in der Kultur / je Jahr.
Gegen Minierfliegen an Zierpflanzen im Gewächshaus bei Befall oder Neubefall im Abstand von 7 Tagen spritzen.
Anwendungskonzentration 0,1%, je nach Pflanzengröße:
bis 50 cm:1,0 l/ha in 1.000 l Wasser/ha,
50 bis 125 cm:1,5 l/ha in 1.500 l Wasser/ha,
über 125 cm:2,0 l/ha in 2.000 l Wasser/ha.
Maximal 6 Behandlungen in dieser Anwendung bzw. in der Kultur / je Jahr.
Hinweis
Zur Erzielung eines optimalen Bekämpfungserfolges und zur Vorbeugung größerer Pflanzenschäden sollte Milbeknock möglichst frühzeitig eingesetzt werden. Das heißt, bei Spinnmilben ab dem ersten Auftreten mobiler Stadien bzw. bei Minierfliegen bei Sichtbarwerden erster Miniergänge.
Neben Spinnmilben (Panonychus ulmi, Tetranychus urticae, T. cinnabarinuus u.a. Tetranychiden) werden nach eigenen Erfahrungen auch gleichzeitig auftretende Weichhautmilben (Hemitarsonemus latus, Tarsonemus pallidus) sowie Rostmilben mit erfasst.
Resistenzmanagement
Für die Anwendung in Zierpflanzen und Erdbeeren gilt:
WW709 - Bei wiederholten Anwendungen des Mittels oder von Mitteln derselben Wirkstoffgruppe können Wirkungsminderungen eintreten oder eingetreten sein. Um Resistenzbildungen vorzubeugen, das Mittel möglichst im Wechsel mit Mitteln aus anderen Wirkstoffgruppen verwenden.
In Zierpflanzen wird im Rahmen eines sinnvollen Resistenzmanagements empfohlen, Milbeknock bei Bedarf blockweise mit 2 bis 3 Behandlungen einzusetzen und dann ein Produkt aus einer anderen Wirkstoffgruppe zu verwenden.
Für die Anwendung im Hopfen gilt:
(WH951) - Wenn Akarizide mit gleichem Wirkungsmechanismus über Jahre hinweg auf gleicher Fläche angewendet werden, können sich weniger empfindliche Biotypen der Spinnmilben vermehren. Eine Resistenzbildung kann durch Produktwechsel mit solchen Produkten vermieden bzw. gehemmt werden, die einen anderen Wirkungsmechanismus bei einem vergleichbaren Wirkungsspektrum haben.
Neben Wirkstoffwechsel können vorbeugende pflanzenbauliche Maßnahmen die Resistenzentwicklung verhindern oder zumindest vermindern: Als indirekte vorbeugende Maßnahme wird empfohlen, die Brennnesseln an den Rändern der Hopfengärten abzumähen, da von dort häufig der Befall ausgeht, und das Mähgut zu entfernen. Der Ausgangsbefall wird durch das sorgfältige manuelle Entlauben der Hopfenreben und das Entfernen der Bodentriebe stark verringert, da die Spinnmilben im Mai vom Boden her zuwandern.
Herstellung der Spritzbrühe
Milbeknock unter Umrühren bzw. bei laufendem Rührwerk der erforderlichen Wassermenge zugeben. Spritzbrühereste vermeiden. Nie mehr Spritzbrühe ansetzen, als unbedingt gebraucht wird.
Mischbarkeit und Verträglichkeit
Eine Mischung mit Blattdüngern oder anderen Pflanzenschutzmitteln wird nicht empfohlen.
Die Verwendung von Zusatzstoffen (z. B. LI700, Silwet Gold) kann bei schlecht benetzbaren Pflanzen bzw. dichten Pflanzenbeständen sinnvoll sein. Im Hopfen hat sich der Einsatz von LI700 und in Erdbeeren von Silwet Gold bewährt. In jedem Fall sollten derartige Mischungen unter den gegebenen Bedingungen im Betrieb, zur Abklärung der Verträglichkeit, an einigen wenigen Pflanzen getestet werden, bevor größere Bestände behandelt werden.
Im Kernobst darf Milbeknock nicht in Mischungen mit anderen Produkten, auch nicht mit Zusatzstoffen, eingesetzt werden. Beim Einsatz von Milbeknock in den Apfelsorten Gala und Braeburn ist ein Abstand von 5 Tagen zu anderen Spritzungen einzuhalten (insbesondere bei Zusatzstoffen und ölempfindlichen Mitteln). Im Kernobstbau darf die Wasseraufwandmenge von 500 l/ha/m nicht unterschritten werden! Bei niedrigeren Wasseraufwandmengen kann es bei manchen Apfelsorten (z. B. Gala, Braeburn, Jonagold) zu Blattverbrennungen kommen. Golden Delicious sollte nicht mit Milbeknock behandelt werden.
Bei folgenden Zierpflanzen hat sich Milbeknock als verträglich erwiesen:
Dracaena marginata, Dracaena fragrans, Ficus benjamina, Hedera, Schefflera, Chrysanthemum, Dianthus, Gerbera, Gypsophila, Rosa.
Sortenlisten können bei Bedarf angefordert werden.
Aufgrund der Vielzahl von Arten und Sorten empfehlen wir grundsätzlich Vorversuche mit den im Betrieb angebauten Kulturen unter spezifischen Kulturbedingungen.
Gerätereinigung
Spritzgeräte und Spritzbrühebehälter nach Gebrauch gründlich mit Wasser reinigen. Die Reinigung mit Agroclean hat sich bewährt. Anfallendes Spülwasser nach der Gerätereinigung auf der vorher behandelten Fläche ausbringen.
Wartezeiten
Kernobst:14 Tage
Hopfen:21 Tage
Erdbeeren:
Die Wartezeit ist durch die Anwendungsbedingungen und/oder die Vegetationszeit abgedeckt, die zwischen Anwendung und Nutzung (z. B. Ernte) verbleibt, bzw. die Festsetzung einer Wartezeit in Tagen ist nicht erforderlich (F).
Zierpflanzen:Die Festsetzung einer Wartezeit ist ohne Bedeutung (N).
Gebrauchsanleitung beachten!